Tabulaturen oder Tabs Gitarre, Jürg Hochweber home

Eine Tabulatur (abgekürzt Tab) ist eine bildhafte Notenschrift für Gitarre und andere Saiteninstrumente. Im folgenden Beispiel steht oben die normale Notenschrift und unten das Gleiche in Tabulatur.

Speaker Symbol Midi

Tab1

Also, die Tabulaturen werden von links nach rechts gelesen und gespielt. Die waagrechten Linien der Tabulatur stellen die 6 Saiten der Gitarre dar, wobei die oberste Linie die höchstklingende (dünnste) Saite meint und die unterste Linie die tiefstklingende (dickste) Saite. Die Zahlen geben den Bund an, wo du die Saiten drücken sollst.

Eine 0  heisst: diese Saite spielst du leer (nichts greifen).
eine 1 heisst: du drückst auf dem 1. Bund.
eine 5 heisst: du drückst auf dem 5. Bund.


usw. Es kommen also Zahlen zwischen 0 und etwa 22 vor.

Töne, die gleichzeitig gespielt werden, werden untereinander notiert.

Die Notenlängen werden wie in der gewöhnlichen Notenschrift bezeichnet. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Notenhälse nach unten oder oben gehen.

Notenwerte

Für Halbe- und Ganze Noten hat sich keine allgemeingültige Regel etabliert. Manchmal werden Halbe mit 2 Notenhälsen geschrieben, Ganze mit deren 4:
Halb-Ganztöne

Wenn, wie in den obigen Beispielen, auch die gewöhnliche Notenschrift über den Tabulaturen steht, werden die Notenlängen in der Tabulatur oft auch weggelassen, das spart Platz. Du musst dich dann an den gewöhnlichen Noten orientieren:
tab ohne Rhythmus

Wenn nicht die Standard-Gitarrenstimmung verwendet wird, werden links die Töne der leeren Saiten angegeben:
Nicht-Standartstimmung

Aus den Anfangszeiten des Internets stammen die sogenannten ASCII Tabs:
AsCII
Diese kommen ohne Notenlänge (Rhythmus), oft sogar ohne Taktstriche daher. Sie sind nur brauchbar, wenn du das Stück schon gut im Gehör hast. Erfahrungsgemäss ist aber oft gerade der Rhythmus und die Gliederung in Takte am schwierigsten herauszuhören. Deshalb taugen solche Tabs nicht viel.

Es gibt noch eine Reihe von Sonderzeichen:

/ slide nach oben gleiten, auch glissando genannt.
\   nach unten gleiten
h hammer on die 2. Note wird nicht mehr gezupft, der Finger der linken Hand erzeugt den Ton durch energisches Aufsetzen (Hämmern) auf die Saite
p pull off wegziehen
b bend die Saite dehnen (meist um einen Halbton)
r release bend die Dehnung loslassen
t tap der Ton wird mit der rechten Hand durch tappen erzeugt
x   gedämpfter, perkussiver Ton. Die Saite wird mit der linken Hand nur berührt, die rechte Hand zupft normal
vib vibrato  

Symbol abwärts abwärts schlagen.  Symbol aufwärts aufwärts schlagen.  Hin unndher

 

Die Tabulaturschrift ist nicht streng reglementiert. Es gibt viele individuelle Darstellungsweisen.

Mit welchem Finger gegriffen und gezupft werden soll, wird meist nicht speziell angegeben. Ebensowenig ist festgelegt, ob und wie lange ein Ton  (besonders die leeren Saiten) in die nächsten Töne hineinklingen soll  (im Fachjargon: der polyphone Verlauf der Stimmen).

  Vorteile Nachteile
Tabulatur Leicht zu lesen.
Leicht zu schreiben.
Gitarre kann umgestimmt werden, ohne das alles umgedacht werden muss.
Sehr logisch aufgebaut.
Kann sehr platzsparend notiert werden.
"Proprietäres Format", das heisst nur für Zupfinstrumente geeignet, für alle anderen Instrumente unbrauchbar.
Stimmenverlauf ist nicht offensichtlich. Tonarten und Tonartwechsel sind nicht gut ersichtlich.
Im Profibereich noch schlecht akzeptiert ("für musikalische Analphabeten").
Standard-Notenschrift Universelle Sprache, für alle Instrumente.
Tonarten und Tonartwechsel sind für geübte Leute gut erfassbar.
Polyphoner Verlauf der Stimmen deutlich erkenntlich.
Lässt den InterpretInnen bei verschiedenen Greifmöglichkeit Freiheit.
Relativ schwierig, auf die Gitarre zu übertragen, besonders die Töne in den hohen Lagen.
Es geht nicht direkt hervor, auf welcher Saite ein Ton gespielt wird, die optimale Greifmöglichkeit muss selber erarbeitet werden.
Bei Nicht-Standard-Stimmung muss alles umgedacht werden.
 

Entgegen der gängigen Meinung sind Tabulaturen für Saiteninstrumente wesentlich älter als Noten.
Die ersten gedruckten Tabulaturen entstanden schon um 1500. Es gab allerdings verschiedene Systeme. Erst um 1800 wurden für gitarrenähnliche Instrumente Standardnoten verwendet. In der Folge wurden Tabulaturen fast verdrängt. Erst in den letzten Jahrzehnten wurden sie wieder populär.
Heute existieren beide Systeme gleichwertig.

Wie soll man also Gitarre unterrichten?
Meine Meinung ist ungefähr Folgende: Für Kinder bis etwa 14 Jahre ist es in der Regel kein Problem,  Noten zu erlernen. Und da Noten eben weiterhin die universelle Musik-Sprache sind, sollen Kinder das auch lernen. Für Erwachsene kann das Notenlernen aber zur Qual werden. Hier bieten sich die Tabulaturen als willkommene Alternative an. Das Beste ist natürlich, man beherrscht Beides.

Jürg Hochweber

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