Skalen (Tonleitern)

Siehe auch: 
 

 - Kirchentonarten, Modes
 - Skalen auf dem Griffbrett,
 - Akkordaufbau

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von Jürg Hochweber

Vorbemerkung: alle besprochenen Skalen können natürlich in sämtliche Tonarten versetzt (=transponiert) werden, ich gehe hier immer von c als Bezugston aus (oder bei Moll-ähnlichen Skalen vom parallelen a ).


Die Grundlage aller Skalen ist die wohlbekannte Dur- Tonleiter: do re mi fa sol la ti do mit den beiden Halbtonschritten  mi - fa und ti - do.  Oder absolut von c aus:

Beispiel in C-Dur 


 

Die gleichen Bestandteile hat reines A-Moll, nur ist dann a der Grundton, (d.h die Melodie endet in der Regel auf a und Hauptbegleitakkord ist Am).

Beispiel reines A-Moll


 

wenn das g zu gis erhöht wird, sprechen wir von harmonisch Moll:


wird auch noch das f zu fis erhöht, erhalten wir melodisch Moll:

Die Erhöhungen fis und gis gelten in melodisch Moll meist nur in der Aufwärtsbewegung, während in der Abwärtsbewegung die Töne f und g stehen.

In einer Melodie kommt selten nur harmonisch, melodisch oder reines Moll vor, sondern es wechselt ab, das heisst, es können in A-Moll die Töne f, fis, g, gis verwendet werden. Erklingt der Akkord E (die Dominante), dann ist meist gis angebracht, erklingt aber beispielsweise der Akkord G , dann g.  In aufsteigenden Linien erscheint eher fis und gis, abwärts eher f und g. Feste Regeln lassen sich aber nicht aufstellen, das Gehör muss entscheiden.


 

Ebenso lassen sich die sogenannten Kirchentonarten, auch Modes genannt, von der C-Dur Skala ableiten (nicht im historischen Sinn), sie unterscheiden sich vom C-Dur und reinem A-Moll nur dadurch, dass ein anderer Ton als Grundton empfunden wird, sie enthalten aber die gleichen Bestandteile: 

Grundton   Töne
d: d-Dorisch d e f g a h c
e e-Phrygisch e f g a h c d
f f-Lydisch f g a h c d e
g g-Mixolydisch g a h c d e f 
a a-äolisch (= reines Moll) a h c d e f g
h (h-Lokrisch) h c d e f g a
c c-Ionisch (= Dur) c d e f g a h

Also: d-Dorisch enthält die gleichen Töne wie c-Dur oder e-Phrygisch etc. Analog enthält beispielsweise e-Dorisch die gleichen Töne wie d-Dur oder fis-Phrygisch.

Um die Bezeichnungen und Verwendung der Modes herrscht eine ziemliche Verwirrung. Schon die mittelalterlichen Theoretiker schrieben die Bezeichnungen dorisch, lydisch etc. irrtümlicherweise den griechischen Volksstämmen der Dorer und Lydier etc. zu. Ferner suggeriert die Bezeichnung 'Kirchentonarten' , dass es sich um Tonarten wie G-Dur oder F-Dur handelt, obwohl eigentlich Tongeschlechter gemeint sind wie Dur und Moll. Doch auch das stimmt nur bedingt, da die Kirchentonarten in der Renaissance und früher  eher bestimmte Melodiewendungen bedeuteten. Und heute glauben viele, dass es sich um eine Art Stilrichtungen handelt, wenn auch nur ein didaktisches Modell gemeint ist.

Anmerkung: Vielfach sieht man in Improvisationlehrgängen Skalenbezeichnungen, die zu Akkordfolgen gehören, wie z.Bsp:

E-äolisch D-mixolydisch C-lydisch H-phrygisch
Em D C Hm

das ist natürlich ziemlich unsinnig, da alle vier Skalen die gleichen Bestandteile, nämlich e fis g a h c d (= reines E-Moll) haben. 


Wie in harmonisch Moll kann auch in Phrygisch das g zu gis erhöht werden, aber g und gis stehen in der Regel nicht  unmittelbar nebeneinander. Während die übrigen Kirchentonarten mit Dur oder Moll fast verschmelzen, hat das Phrygische eine gewisse Eigenständigkeit. Dafür ist wohl der markante Halbtonschritt f - e zum Grundton verantwortlich. Manchmal wird auch das d zu dis erhöht, als Leitton zu e. Diese Skala  klingt orientalisch und flamencohaft und erfreut sich auch in der Popmusik grosser Beliebtheit.

Beispiel Phrygisch 


Beispiel Dorisch


 Wie man sieht, stehen hier die gleichen Töne wie in reinem oder äolischem A-Moll , nur wird hier d als Grundton empfunden. Demnach ist auch Dm der Hauptakkord, und G ist der charakteristische Akkord für d-Dorisch (Dur-Subdominante).


Die pentatonische Skala auf c ist einfach eine Dur-Skala ohne die Töne f und h. Es kommen also da keine Halbtonschritte vor. Wird a als Grundton empfunden (Haupt-Begleitakkord ist Am), kann man von pentatonisch A-Moll sprechen, der Begriff ist aber nicht Standard.


Beispiel pentatonisch A-moll:


 

Bluesskala:

Dies ist leider ein sehr unklarer Begriff, der unterschiedlich verwendet wird. Ursprünglich handelte es sich um eine Dur-Skala, wo der dritte und siebte Ton auch erniedrigt sein kann (der siebte fast immer). Auch der fünfte Ton wird manchmal erniedrigt (flatted fifth). Oft werden die Töne auch bewusst unrein, 'verschmiert' gespielt (pitch bend).

Beispiel Bluesskala 

Heute wird unter Bluesskala meist die pentatonische Skala mit zusätzlichem Durchgangston  verstanden: 
a c d es e f g. Das wird manchmal auch als Moll-Blues bezeichnet:

Doch ist das etwas irreführend, weil typische Bluesstücke nicht diese Skala verwenden. Überhaupt sind nicht Skalen das typische Element vom Blues, sondern, unter anderem, das 12 Takt-Schema und häufiger Gebrauch von 'verschmierten' Tönen.


 

'Zigeunermoll'

Beispiel Zigeunermoll 



 

Skalen die nicht auf die Dur Skala zurückgeführt werden können:

Ganztonskala:
Sie besteht einfach aus lauter Ganztonschritten.

Es braucht einige Erfahrung um die Ganztonleiter einzubauen, sodass sie natürlich wirkt. Z. Bsp. im Jazz und Blues möglich. Sie erscheint meist nur kurz über der Dominante (hier im dritten Takt) und die Fortsetzung soll so nahtlos wie möglich in andere, vertraute Skalen führen. Verwandt ist die Ganztontonleiter mit melodisch Moll, kommen dort doch auch fast nur Ganztonschritte vor.

Beispiel mit Ganzton-Skala:


 

die Ganz-Halbtonskala (auch verminderte Skala genannt):

Es wechselt sich immer ein Ganztonschritt mit einem Halbtonschritt ab. Auch diese Skala erscheint auf der (alterierten) Dominante.


Klangbeispiel Ganzton-Halbtonskala:

Diese Skala ist im Jazz sehr beliebt.


Ich hätte fast noch die chromatische Skala vergessen, die einfach aus sämtlichen Halbtonschritten besteht.


Das wären so die üblichen Skalen.
Wenn wir noch Vierteltöne und dergleichen zulassen, gäbe es noch unzählige weitere Skalen. Diese lassen sich jedoch nicht systematisch untersuchen, sie lassen sich schwerlich vom naturgegebenen Obertonspektrum abzuleiten.


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