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Akkordfolgen erfinden siehe auch:
Welche Akkorde wo und wann?
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English B = deutsch H
English Bb = deutsch B
hier verwende ich die deutschen Akkordbezeichnungen
 

von Jürg Hochweber

Immer wieder fragen mich Leute, die eigene Songs oder Solostücke schreiben wollen, wie man denn gut klingende Akkordfolgen erfindet. Denn eine gute Folge ist tatsächlich das Grundgerüst sehr vieler Kompositionen, und wenn so eine Folge mal sitzt, ergibt sich der Rest (Melodie, Bass, Rhythmus etc.) fast von selber. Lange habe ich gezögert, da es schwierig ist, ein so umfassendes Thema allgemein verständlich und kurz zu behandeln. Jetzt tue ich es trotzdem. Vorausgesetzt werden einige Kenntnisse aus Akkordaufbau, und die Tabelle der Verwandten von C-Dur sollte bereit sein.

Ein Großteil aller Musik besteht aus 4- oder 8- oder 16-taktigen Teilen. Man sagt dann, sie ist periodisch gebaut. Ein ganzes Lied besteht z. Bsp. aus einer 4-taktigen Einleitung und zwei 8-taktigen Teilen (pro Strophe).

Wir werden also Akkordfolgen basteln, die aus 4, 8, 16 Takten bestehen.

Ich beschränke mich hier auf C-Dur und das parallele A-Moll als Grundtonart. Es bleibt euch überlassen, das Ganze auch in andere Tonarten zu übertragen (=transponieren)

Machen wir uns zuerst mit dem Begriff Kadenz vertraut:

Definition: eine Kadenz ist eine kurze, einprägsame Folge von Akkorden, die die Tonart eindeutig festlegt. Das heißt, in einer Kadenz muss (meistens) jeder Ton der Tonleiter mindestens einmal vorkommen und keine Weiteren.
In C Dur sind das also die Töne c d e f g a h.
In  A-Moll sind es die gleichen Töne  a, h, c, d, e, f, g . Hier kann neben dem g auch ein gis und, seltener, ein fis neben f vorkommen.

Eigentlich sind die meisten Akkordfolgen Erweiterungen und Aneinanderreihungen von Kadenzen.

typische Kadenzen in C-Dur:  | C  | F  | G  | C  | oder  | C  | Dm  | G7  | C  |
 

hingegen ist die Folge | C  | Am  | F   | C  |  keine Kadenz, da der Ton h nicht vorkommt, und es sich um die Tonart C-Dur, A-Moll oder F-Dur handeln kann.

typische Kadenz in A-Moll:
| Am  | Dm  | E  | Am |
(harmonisch Moll) oder | Am  | F  | G  | Am  | (reines oder äolisches Moll)

Nun kann ja bekanntlich jeder Akkord in verschiedenen Lagen vorkommen, es gibt also viele Möglichkeiten. Welche Lage wann am besten verwendet wird, hängt von den gitarristischen und gehörsmäßigen Kenntnissen ab und kann hier nicht untersucht werden. Hier verwende ich meist die grifftechnisch einfachen Formen. Grundsätzlich sollten die Akkordfolgen melodiös sein. Im Idealfall sollten jeweils die obersten Töne eine Melodie bilden, ebenso die Tiefsten und sogar die Inneren. Es gibt theoretisch eine Reihe von Stimmführungsgesetzen. Da Gitarrenakkorde aber oft einfach als rhythmische Blöcke und nicht als mehrere Stimmen empfunden werden, wird man nie so exakt arbeiten, wie etwa bei einem Bläsersatz. Dies gilt besonders, wenn die Akkorde geschlagen werden.

Kadenzen beginnen und enden mit dem Grundakkord.

Da Akkordfolgen oft nur erweiterte Kadenzen, sind, geht es also jetzt darum, diese Kadenzen aus- und umzubauen.

Wir verwenden zunächst vor allem leitereigene (Dreiklangs)Akkorde

  die Größe entspricht ungefähr der Häufigkeit, wie sie vorkommen
1. Stufe 2. 3. 4. 5. 6. 7.
leitereigene Akkorde von C-Dur C Dm  Em  F G  Am Hm5-
leitereigene Akkorde von A-Moll
(inklusive melodisch Moll)
Am Hm5-
Hm
C Dm
D
Em
E
F G
G#5-

 

in  C-Dur:

C heißt Grundakkord oder Tonika oder 1. Stufe.
F heißt Subdominante oder 4. Stufe.
G heißt Dominante oder 5. Stufe, hier kann auch G7 eingesetzt werden.

 

F und G sind die nächsten Verwandten von C. Einfache Volkslieder kommen mit diesen drei aus. Am, Dm und Em heißen Nebenstufen.
In A-Moll:

Am heißt Grundakkord oder Tonika oder 1. Stufe.
Dm heißt Subdominante oder 4. Stufe.
E heißt Dominante oder 5. Stufe, hier kann auch E7 eingesetzt werden.

 Em kommt auch vor, wird aber nicht immer als Dominante bezeichnet.

Dm und E sind die die nächsten Verwandten von Am.

 

Der Hm5- gehört zwar auch zu den Leitereigenen und heißt verminderter Dreiklang. Er ist aber einfach ein G7 Akkord ohne Grundton g und wird auch meist so gehört. Lassen wir ihn hier beiseite! ebenso das verminderte G#dim von A-Moll.

Wir bauen jetzt 4- und  8-taktige Akkordfolgen, die jeweils mit dem Grundakkord C oder Am beginnen und aufhören, mit jeweils nur einem Akkord pro Takt. Wie das dann rhythmisch gespielt wird, hängt vom instrumentalen Können und Stil ab.
Als zweitletzter Akkord kommt in einer C-Dur Komposition fast nur G bezw. G7 (seltener auch F) in Frage,
bei A-Moll fast nur E oder G, manchmal Em. (Natürlich auch mit Erweiterungen G7, G7/9 ,  E7)

Wenn wir eine Folge von nur 4 Akkorden schreiben wollen, bleibt einzig noch beim 2. Akkord größere Auswahl.

| C   | Dm  | G  | C  |
| C   | F  | G  | C  |
| C   | G  | F  | C  |
| C   | Am  | G  | C  |

| Am  | Dm | E  | Am  |
| Am  | F  | G   | Am  |
| Am  | G | Em | Am  |
| Am  | C  | E  | Am  |

Spannender wird es  bei 8 Takten. Immer noch verwenden wir nur leitereigene Akkorde, aber natürlich kann ein Akkord auch mehrmals vorkommen.

Die leitereigenen Akkorde lassen sich in fast allen Reihenfolgen verwenden, jeder kann auf jeden folgen, am Ende entscheidet nur das Gehör, doch tut ihr gut daran, folgende Punkte zu studieren, sie gelten dann auch bei Verwendung leiterfremder Akkorde:

Die 3 häufigsten Fortschreitungsarten

1) Häufigste, vertrauteste und problemloseste Fortschreitung bei Akkorden ist der Quartsprung aufwärts. Dabei meinen wir, dass auf einen gegebenen Akkord der Akkord folgt , dessen Grundton eine Quart höher liegt. Auf ein G folgt C, auf Dm folgt G, auf Em folgt Am usw.

(anstatt Quartsprung aufwärts können wir auch Quintsprung abwärts sagen, man landet dann eine Oktave tiefer als beim Quartsprung aufwärts, aber auf dem gleichbenannten Ton. In diesem Zusammenhang bedeutet es das Gleiche).

 

Die Folge  | C  | Am  | Dm  | G   | C |  beginnt mit einem Terzschritt abwärts (c a),
danach lauter Quartsprünge aufwärts (a -d -g -c)

 

2) auch günstig ist der Terzschritt abwärts (wie oben angedeutet). Auf C folgt Am, auf Am folgt F, auf Em folgt C usw.
Mit Terzschritt meint man grundsätzlich immer den Schritt von einem Ton zum übernächsten der Tonleiter. Das kann je nachdem eine große oder kleine Terz sein. Analoges gilt für andere Intervallschritte.

Bsp. | C  | Am  | F  | Dm | G | F  |C  | C  | beginnt mit 3 Terzschritten.

Bei Terzschritten von leitereigenen Dreiklängen ändert sich jeweils nur ein Ton. Trotzdem ist es ein markanter Schritt, da der neue Ton der Grundton ist.

 

3) Die dritte Möglichkeit ist stufenweise Fortschreitung aufwärts (Sekundschritt). Auf C folgt Dm, auf Em folgt F.
Wenn auf  G oder G7 ein Am folgt, spricht man auch von Trugschluss. In A-Moll ist der Trugschluss E - F. Die Dominante geht ein Schritt aufwärts.

die übrigen Schritte sind auch möglich, sind aber nicht so natürlich.

 

Einige 8-taktige Folgen (pro Takt 1 Akkord)

C Am F G C Am G C
C G Am Em F G C C
C Dm G Em Am F G C
C F G Am C F G C

 

Am Dm G7 C Am Dm E7 Am
Am C E F G7 C E Am
Am F G Em Am F G Am
Am D Am D F C G Am

Vierklänge

Wie bei der Dominante G7 üblich, ist es auch bei den andern Stufen möglich, die Sieben (Septime oder Sept) hinzufügen. Die Septime ist immer der siebte Tonleiterton vom Akkordgrundton (dieser mit gezählt) gerechnet. Das ergibt je nach Stufe eine große (maj7 oder j7) oder eine kleine (7) Sept.

  1.Stufe 2. 3. 4. 5. 6. 7.
leitereigene Septakkorde in C-Dur Cmaj7 Dm7 Em7 Fmaj7 G7 Am7 Hm7/5-
leitereigene Septakkorde in A-Moll Am7 Hm7/5-
Hm7
Cmaj7 Dm7 Em7
E7
Fmaj7
F#dim7
G7
G#dim7

Diese können im Prinzip überall dort stehen, wo die gewöhnlichen Dreiklänge stehen können. Sie bringen einfach mehr Abwechslung und Farbe ins Spiel. Um sie gut miteinander zu verbinden, ist aber einiges Geschick in der Stimmführung nötig. Bsp.

Cmaj7 Fmaj7 Cmaj7 Dm7 Em7 Am G7 Cmaj7

Es lassen sich kaum viele Beispiele finden mit solchen Septakkorden finden, wo nur leitereigene Akkorde vorkommen. Deshalb ist es jetzt an der Zeit, Akkorde einzuführen, die auch leiterfremde Töne enthalten.

Ein Akkord wie D besteht aus d fis a. Da das fis nicht zu C-Dur gehört, ist er ein leiterfremde Akkord. Ebenso C7 (c e g b). Er gehört nicht zu C Dur, da das b (engl. b flat) nicht zu C-Dur gehört. Beides sind so genannte Zwischendominanten: Jeder leitereigene Akkord kann vorübergehend als neuer Grundakkord betrachtet werden. Wir können vor ihn dann seine Dominante einschieben.
 

leitereigene Akkorde von C Dm Em F G Am
deren Zwischendominante A7 H7 C7 D7 E7

Wenn Zwischendominanten ins Spiel kommen, unterscheiden sich C-Dur und A-Moll kaum noch, eigentlich nur noch durch den Anfangs- und Schlussakkord.

In der Kadenz  C F G C schieben wir im ersten Schritt vor G das D7 ein. D7 ist ja die Dominante von G, die 7 ist bei Zwischendominanten fast die Norm. Der Takt mit dem F wird halbiert. Im zweiten Schritt schieben wir auf gleiche Art vor den F das C7. C7 ist Dominante von F (beachte, dass hier C7 etwas neues ist, es gehört nicht zur Tonart C, sondern zu F-Dur).
Schließlich könnten wir die Lücke vor dem letzten C noch mit einem übermäßigen Dreiklang G+ füllen (auch G5+ bezeichnet), er ist eine Variante.

C   F   G   C  
C   F D7 G   C  
C C7 F D7 G   C  
C C7 F D7 G G+ C  

Beachte, dass der Schlussakkord C oft schon auf den 7. Takt fällt und ausgehalten wird, damit die Form ausgewogen ist.
Weitere Folgen mit Zwischendominanten:

C E7 Am F Dm G7 C  
C Am H7 Em C Am G7 C
C A7 Dm G7 C Dm G7 C
               

 

Sequenzen

Oft ist es günstig, ein typisches Merkmal von Akkordfortschreitung zu wiederholen. Im folgenden Beispiel verhalten sich C zu G wie Am zu Em. Beides sind Quartsprünge abwärts (vom Grundton des Akkordes). Man nennt so etwas eine Sequenz von 2 Akkorden. Die Sequenzwirkung wird noch unterstützt durch den gleichen Rhythmus der beiden Gruppen

Das nächste Beispiel zeigt eine Sequenz von 3 Akkorden. Das Muster lautet: Terz abwärts, dann Quart aufwärts. (Wir erinnern uns, dass eine Quart aufwärts harmonisch das gleiche ist wie eine Quint abwärts)
Auch hier ist der gleiche Rhythmus der beiden Teile wichtig.

Eine Akkordgruppe kann auch mehrmals sequenziert sein. Im nächsten Beispiel ist in der stufenweisen simplen Folge |  F   | G  | Am | überall die Zwischendominante eingeschoben worden. Das ergibt drei Zweiergruppen.

Solche Sequenzen wirken sehr geschlossen und überzeugend.

 

Wiederholung und Variation

Es ist natürlich nicht so, dass in einer Komposition immer neue Akkorde kommen müssen. Im Gegenteil, das Ohr erwartet, wie bei den Sequenzen gezeigt, feste Muster und Wiederholungen. Deshalb werden Akkordgruppen gerne wiederholt und variiert.

|C  | G  | F  | C G || C  | G  | F  | C   || Die erste Vierergruppe unterscheidet sich von der zweiten nur durch den Akkord G im Takt 3.

Im unteren Beispiel werden in der 2. Zeile nur die beiden ersten Takte wiederholt. Es geht dann anders weiter, zu einem Abschluss.

Bei 8-taktigen Folgen ist sehr oft die zweite Hälfte eine Variation oder eine Sequenz der ersten.

Bemerkung zum Rhythmus

Akkorde tendieren dazu, regelmäßig zu wechseln, oft taktweise oder 2 taktweise oder halbtaktweise, also nicht 7 Schläge G dann 3 Schläge Am oder so. Allerdings können sie innerhalb vom Taktschema sehr bewegt sein und allenfalls die Taktgrenzen leicht überlappen. Jedenfalls ist der Ablauf viel regelmäßiger als bei Melodien, die strukturmäßig sehr zerfetzt sein können. Im Allgemeinen ist es gut, wenn sich Akkorde und Melodie komplementär verhalten, das heißt, an den Stellen, wo in der Melodie nicht viel los ist, sollen mehr und bewegtere Akkorde kommen, wenn die Melodie sehr bewegt ist, können die Akkorde etwas ausruhen.

 

Vorhaltsakkorde (Suspension)

Wie setze ich denn die merkwürdigen Dinger wie Gsus4 oder Csus9 ein?

Nehmen wir Gsus4 , der aus den Tönen g c d besteht anstatt aus g h d wie beim normalen G. Der entscheidende Ton (ich sage jetzt der sus-Ton) ist das c, der so genannte Quartvorhalt oder englisch 'suspended fourth'. Die sus-Töne sind meist im vorhergehenden Akkord enthalten. Also muss vor Gsus4 ein Akkord stehen, der den Ton c enthält, das wären etwa C, Am, F, D7. Man kann also sagen, die Akkorde stehen etwas schief, ein Ton vom ersten Akkord bleibt über dem zweiten hängen. Nach dem Gsus4 kommt meistens einfach G, das heißt, das c wird zu h.

C  Gsus4 G erst im dritten Akkord geht das c weg ins h. Es kann aber auch ein anderer Akkord folgen, der ein h enthält, z. Bsp. E

C Gsus4 E Am

Ähnlich beim Nonvorhalt.  Ein Csus9 (auch Cadd9 bezeichnet) besteht aus den Tönen c e g d. Es muss vorher also ein Akkord kommen, der den sus-Ton d enthält, etwa G oder Dm, und nachher muss normales C oder ein Akkord, der den Ton c enthält, folgen. 
Oder Amsus9 (auch als Amadd9 oder auch Am9 bezeichnet) . Er enthält die Töne a c e h. h ist hier der sus-Ton (Nonvorhalt), er steht an Stelle des hohen a. Vor Amsus9 braucht es einen Akkord, der h enthält, z. Bsp. E , G. Nach Amsus4 kommt einfach Am oder ein Akkord, der a enthält, etwa F.

das c überlappt das c geht ins h,   das d überlappt das h geht ins c      
Am Gsus4 E7 Amsus9 F Hm7/5- E7 Am

Beachte, dass beim Nonvorhalt die None zusätzlich kommt, beim Quartvorhalt ersetzt die Quart die Terz. Beachte auch dass ein Cmsus4 gleich wäre wie ein Csus4, da die Terz ja nicht drin ist. Also benötigt man die Bezeichnung Cmsus4 nicht.

 

Ich werde diese Abhandlung möglichst bald fortsetzen .....

Jürg Hochweber